Pfarrer Gotthard Richter

Frankfurter Pfarrer Gotthard Richter ist verstorben

Von 1967 bis 1995 war Gotthard Richter unser Pfarrer. Am 14. Januar 2021 ist er im Alter von 90 Jahren verstorben.

Er kam aus Leipzig und brachte mit seinen zwei Kollegen die sie prägende vom Zweiten Vatikanischen Konzil ausgehende kirchliche Aufbruchsstimmung in die Frankfurter Gemeinde ein.

Charakteristisch für die Zeit war unter anderem eine Neugestaltung der Gottesdienste und damit zusammenhängend in Frankfurt eine Renovierung und Neugestaltung des Kirchenraumes, auch mit den neuen Fenstern. Die neugotische Pfarrkirche mit Hochaltar und mehreren Seitenaltären wurde so umgebaut, dass die gesamte Gemeinde als Trägerin der Liturgie sich rund um den Altartisch versammeln und möglichst aktiv am Geschehen mitwirken konnte.

Nach und nach wurden auch die anderen Gottesdienststellen in den Dörfern umgestaltet oder überhaupt erst hergerichtet.

Unter seiner Regie entstand so ab 1975 neben der Pfarrkirche das Maximilian-Kolbe-Haus, das in beispielloser Weise von der Gemeinde selbst errichtet wurde. Wie es Gotthard Richter gelang, die Gemeinde mit und vor allem durch dieses Bauvorhaben zusammen zu schweißen und allen Widrigkeiten des gesellschaftlichen Umfeldes zum Trotz dieses beeindruckende Gebäude zu errichten, mutet im Nachhinein wie ein Wunder an.

Andere Bauvorhaben gab es zu bewältigen, wie die Erneuerung des Kindergartens und des Altenheimes St. Josefsheim in der Leipziger Straße.

In seinen letzten Dienstjahren setze er sich erfolgreich ein für den Neubau des Caritas Seniorenzentrums Albert Hirsch in Hansa Nord.

Prägend für die Seelsorge von Gotthard Richter waren die geschwisterliche Arbeit im Seelsorgeteam und die konsequente Einbeziehung der Gemeindemitglieder. So sorgte er dafür, dass auf den Dörfern Gottesdienste von Gemeindemitgliedern gestaltet wurden, die er dazu ermutigte und befähigte.

Er traute Gremien und Gruppen in der Gemeinde selbstverantwortete und demokratische Arbeitsweise zu. In DDR-Zeiten keine Selbstverständlichkeit.

In der Wendezeit engagierte er sich am Runden Tisch, der verschiedene gesellschaftliche Gruppen zusammenführen wollte und er ermutigte Gemeindemitglieder, Verantwortung unter den neuen politischen Bedingungen zu übernehmen.

Sein Verantwortungsbereich reichte über den sprichwörtlichen Kirchturmhorizont hinaus in ein flächenhaft großes Territorium der Pfarrei, z. B. bis nach Golzow, und sein Engagement galt dem guten Verhältnis zu evangelischen Christen in der Stadt und zu den Katholiken in Slubice, wie dem Bau eines Kinderheimes in Nowosibirsk.

Einrichtungen wie die Frankfurter Ökumenische Kantorei und der Pauluskreis, der regelmäßige ökumenische Gottesdienst, waren keine Selbstverständlichkeiten zu seiner Zeit, ebenso seine Bemühungen um das Gedenken an die Frankfurter Synagoge.

Viele seiner Initiativen prägen die Gemeinde bis heute.

Er konnte beides vereinen: Er war Organisator, Bauherr, Manager, aber auch ein Pfarrer, der sich um Menschen sorgte. Nicht zuletzt sein Lachen, seine Fröhlichkeit und Ausgelassenheit beim Feiern, ob in der Bütt beim Fasching, den Gemeindefesten oder der "Männerschola" prägten ihn und den Umgang mit seiner Gemeinde. Von deren Mitgliedern, die ihn in dieser Zeit erlebten, wird "Gotthard", hoch geschätzt und sie sind ihm für seinen Dienst dankbar.

Pfarrer Gotthard Richter